Irgendwo, ich weiss nicht mehr wann, stolperte ich über die folgende Aussage:

„Care-Arbeit: 61% Frauen und 39% Männer leisten Care-Arbeit. Insgesamt werden jährlich 9,02 Milliarden Stunden geleistet. Das entspricht einer Franken-Leistung von 408 Milliarden! Für bezahlte Arbeit werden nur 7,9 Milliarden Stunden aufgewendet.“

Auf meiner Recherche zu dieser Aussage blieb ich an einer Publikation des Eidg. Departement des Innern / Eidg. Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann, aus dem Jahr 2010 hängen. Die Publikation heisst „Care-Arbeit“.

Die Broschüre stellt in erster Linie mal fest, was viele schon wissen:

S. 7: „Insgesamt rund 2.8 Mia. Arbeitsstunden werden für die Betreuung von Kindern und Erwachsenen aufgewendet. Vier Fünftel davon macht die unbezahlte Betreuungsarbeit für Kinder und pflegebedürftige Erwachsene in Familien aus, konkret sind dies 2.3 Mia. Arbeitsstunden. Davon wiederum entfallen 2.1 Mia Stunden (über 90%) auf die Kinderbetreuung.“

S. 9 geht auf das Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen ein: Für Betreuung der Erwachsenen leisten Frauen 10,7 Stunden (für Kinder 20,5 Stunden). Männer decken in demselben Bereich 7,6 Stunden ab (bei Kindern 13 Stunden).

Seniorinnen und Senioren leisten besonders viel Care-Arbeit: sie betreuen Enkelkinder, sind aktiv in der Nachbarschaftshilfe, engagieren sich in den Kirchen und Gemeinden oder Altersorganisationen. Viele Menschen im Alter 65+ betreuen ihre kranken Ehepartnerinnen und Ehepartner.

Ist man schon Seniorin oder Senior, fällt die Frage nach der Vereinbarkeit der Care-Arbeit mit dem Beruf dahin. Die physische und psychische Belastung bei der Betreuung kranker Angehöriger ist jedoch nicht zu unterschätzen. Entlastungsmöglichkeiten sind gefragt.

Sind die Betreuenden noch im Erwerbsalter braucht es das Verständnis des Arbeitgebers. Muss die Betreuungsperson ihre Arbeit aufgeben, entstehen volkswirtschaftliche Kosten: der Verlust an Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträgen zum Beispiel. Längerfristig entstehen Kosten bei der Sozialhilfe oder bei der Ergänzungsleistung.

Personen mit Care-Arbeit sind häufiger erwerbslos. Teilzeitjobs sind nicht wie Sand am Meer zu finden, insbesondere dann nicht, wenn Mann oder Frau bereits in einem höheren Alter steht. Und leider stehen ausserberuflich erworbene Kompetenzen nicht auf der Wunschliste der Arbeitgebenden – wie kurzsichtig! Nicht von ungefähr heisst die Website von seniors@work „Job-Plattform für pensionierte Talente“! Denn Know-how, Talent und eine immense Erfahrung haben nur Menschen in einem höheren Alter.

Quelle:

https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/medienmitteilungen.assetdetail.3882343.html

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